Kurs:Analysis II/Kapitel VI: Gewöhnliche Differentialgleichungen/Eindeutigkeit und sukzessive Approximation (§5)
Voraussetzung (b):
Seien die Zahl und der Vektor mit vorgegeben. Zu den festen positiven Konstanten betrachten wir wiederum das Rechteck
Hierauf sind die beschränkten, stetigen Funktionen
für mit der Schranke gegeben. Weiter gebe es eine Lipschitz-Konstante , so dass die Ungleichung
erfüllt ist. Wir fordern also, dass die Funktionen in den Variablen einer Lipschitz-Bedingung genügen.
Auf dem Existenzintervall mit hinreichend kleinem betrachten wir die Lösungen der Anfangswertprobleme
sowie
zu den Anfangswerten bzw. . Um diese beiden Lösungen und mit einander zu vergleichen, betrachten wir die äquivalenten Integralgleichungssysteme
bzw.
Wir ziehen nun diese beiden Gleichungen voneinander ab und erhalten
Die Lipschitz-Bedingung liefert
Wir führen nun die Hilfsfunktion
sowie die Hilfsgröße
ein. Wir entnehmen dann (7) die Abschätzung
Summation von liefert schließlich die Ungleichung
Satz 1 (Gronwallsches Lemma)
- Die stetige Funktion genüge der Integralungleichung
- mit Konstanten und . Dann gilt für alle die Abschätzung
Beweis
Wir setzen und zeigen durch vollständige Induktion
Aus der Integralungleichung erhalten wir nämlich
so dass der Fall gesichert ist. Gilt nun obige Abschätzung für ein , so finden wir
Da nun
richtig ist, folgt durch Grenzübergang in obiger Abschätzung
q.e.d.
Satz 2 (Eindeutigkeit und Stabilität)
- Unter der Voraussetzung (b) lösen die Funktionen und für die Anfangswertprobleme (2) bzw. (3). Dann gilt für die assoziierten Funktionen aus (8) und (9) die Ungleichung
- Somit stimmen die Lösungen bei gleichen Anfangswerten überein und sie hängen überdies stetig von diesen Anfangswerten ab.
Unter der Voraussetzung (b) erklären wir die Größe
und erhalten nach dem Peanoschen Existenzsatz genau eine Lösung des Anfangswertproblems (2). Unter Verwendung der Lipschitzbedingung werden wir diese mit dem Verfahren der sukzessiven Approximation von Picard und Lindelöf auf ganz anderem Wege konstruieren. Wir setzen
und konstruieren die Funktionenfolge
wie folgt:
Hilfssatz 1
- Es gilt für alle und .
Beweis
Somit folgt die Behauptung.
q.e.d.
Wir betrachten nun die Funktionenfolge
Hilfssatz 2
- Es gilt
- für alle und .
Beweis
Wir sehen für ein und erhalten für alle .
Wir ermitteln
für . Wir erhalten dann
q.e.d.
Die Funktionenreihe
hat somit die konvergente Majorante
Satz 3 (Sukzessive Approximation nach Picard und Lindelöf)
- Unter der Voraussetzung (b) konvergiert die in (14) definierte Funktionenfolge
- gleichmäßig auf dem Intervall gegen eine Lösung
- des Anfangswertproblems (2).
Beweis
Es gilt
Wir vollziehen den Grenzübergang in der Integralgleichung (14) und erhalten
q.e.d.